Dienstag, 13. Februar 2018

[Rezension] Traumweber

Titel: Traumweber
Autor: Aeryn Vescori
Verlag: Incubus Verlag
Seiten: 305
Preis:   9,95 [D] (Taschenbuch)
ISBN: 978-3-9815948-6-7


Inhalt:
In einer stürmischen Nacht kommen die Häscher des Ordens Aiden holen. Mit vorgehaltener Klinge zwingen sie ihn, sich zwischen Sklaverei und Tod zu entscheiden. Als er sie nach Serinis in die Hauptstadt des Reiches begleitet, begreift er nicht nur, dass er nichts mit den anderen Magiern gemein hat, sondern auch, dass seine Fähigkeit, Träume zu weben und in ihnen zu tanzen, etwas ganz Besonderes ist. So ist es kein Wunder, dass der junge Magier Kellin auf ihn aufmerksam wird und ihn in die Abenteuer des Widerstands verstrickt. Aber wem hält Kellin wirklich die Treue und was sind das für eigentümliche Gefühle, die er in Aiden weckt? Zwischen magischen Kristallen und den Ruinen alter Tage muss Aiden sich entscheiden. 

Protagonisten:
Aiden Valorn ist ein junger Mann, der außer seinen Fähigkeiten des Traumtanzens kaum mit den Dingen des Lebens vertraut ist. Voller Naivität und gar nicht wie ein junger Mann normaler Weise wirken sollte, erlebt er die Welt, nachdem er von den Kontrolleuren in die Enklave gebracht wurde. Mit Hilfe seiner Fähigkeiten gelingt es ihm, in den Geist anderer Menschen einzudringen, ihnen Hoffnung zu schenken, aber auch seinen Geist mit toter Materie zu verbinden, wie der Stadt Serinis, deren Seele nach einem Unglück in sich gespalten ist und ihre Gefühle aufzufangen. Doch es belastet ihn, dass er irgendwie nicht dazuzugehören scheint und in jeder Hinsicht anders zu sein scheint. Seine aufkommenden Gefühle für den Magier Kellin verwirren ihn, schenken ihm aber auch Sicherheit.

Kellin verkörpert die Magier, die durch den Orden unterdrückt werden und einen sogenannten Absorbierer tragen müssen, der ihre Magie einschränkt. Erst wenn sie Treue beweisen, werden die "Ketten" gelockert. Der junge Magier ist Anführer der Widerstandes und scheint von Beginn an viel über Aiden zu wissen. Er hat etwas Mystisches an sich, da er Aiden gegenüber Geheimnisse hat, seinen Geist vor ihm verschließt und nicht möchte, dass dieser seine Fähigkeiten auf ihn anwendet.  

Meine Meinung:
Es war das erste Buch, das ich im Bereich Gay-Romance/Fantasy gelesen habe und war dementsprechend neugierig auf die Umsetzung des Autors. Auffallend ist, dass er sehr viel Wert auf die Figuren und die Geschichte legt und das Buch kaum romantisch oder gar erotisch angelegt ist. Das hat der Handlung jedoch keinen Abbruch getan und hätte auch überhaupt nicht gepasst.
Aeryn Vescori erschafft eine ganz neue Welt, die mit komplexen Hintergründen und gut durchdachten Wendungen glänzt, die wirklich überraschend kamen und im Nachhinein Punkte klärten, die zu Beginn noch verwirrend schienen. Trotzdem erfährt man alles in allem viel zu wenig von der Welt, in der das Buch spielt. Besonders interessant ist das Konzept der Mecha-Magie, einer von Magiern entwickelte Technologie sowie die politischen Hintergründe der Geschichte.
Die Charaktere sind wirklich gut ausgearbeitet und - ich merke an - es ist wahnsinnig wichtig, das Buch bis zum Ende zu lesen, um vor allem Aidens zu Anfang für sein Alter fremdartiges Verhalten zu verstehen. Ein weiterer Punkt, der die Geschichte so stimmig werden lässt, ist die Tatsache, dass der Autor in seinem Buch auf einen typischen Bösewicht verzichtet hat, der von einem strahlenden Helden besiegt werden muss. Dadurch erscheinen die Handlungen des existierenden Gegners gut nachvollziehbar und machen ihn nicht zu einem vollkommen unsympathischen Charakter.
Der Schreibstil ist vor allem zu Beginn etwas anstrengend und ziemlich gewöhnungsbedürftig, da Aeryn Vescori sich viel Zeit nimmt, den Leser in Aidens Welt einzuführen und eine irgendwie pompöse Ausdrucksart verwendet. Nach etwa fünfzig Seiten jedoch wird es besser und man kann in Aiden und Kellins Geschichte eintauchen. Leider fehlte mir so ein bisschen die Spannung - hauptsächlich was den Punkt des Widerstandes und Umsturzes angeht. Ich hatte das Gefühl, dieser war unspektakulär und zu einfach abgehandelt, aber das wurde ja auch teilweise erwähnt.
So alles in allem sticht das Buch durch gut durchdachte Charaktere und eine komplexe Welt sowie unerwartete Wendungen hervor.    


Mittwoch, 7. Februar 2018

[Rezension] Die Chroniken von Azuhr - Der Verfluchte

Titel: Die Chroniken von Azuhr - Der Verfluchte
Autor: Bernhard Hennen
Verlag: Fischer Tor
Seiten: 571
Preis:   16,99 [D] (Broschiert)
               17,50 [A]
ISBN: 978-3-596-29726-9       


Inhalt:
Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken.
Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen.
Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des »Schwarzen Mondes« in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird ...

Protagonisten:
Milan Tormeno ist der jüngste Sohn des Erzpriesters Nandus Tormeno von Cilia. Von seinem Vater gedrillt und gezwungen, zu werden wie er es sich vorstellt, nie zufrieden mit dem, was Milan tut, beginnt er zu rebellieren. Neben seinem Vater trägt er auch die Last des Namen Tormeno auf seinen Schultern, denn sein Großvater Lucio Tormeno brannte einst ohne Skrupel eine gesamte Stadt nieder, um die Insel zu schützen. Er besitzt eine Gabe, von der er später erst erfährt und begibt sich, getrieben von dem Wunsch, seinen Vater leiden zu sehen, auf einen Weg, der sein Leben auf immer verändert.    

Felicia ist ein Charakter ganz nach meinem Geschmack. Als Meisterdiebin und Herzogin des Schwertwaldes liegt es ihr im Blut, zu kämpfen, Befehle zu erteilen und sich nicht brechen zu lassen. Eine stolze Frau mit roten Haaren und grünen Augen, die voller Leidenschaft und Überzeugung für ihre Sache jeden noch so schweren Weg einschlägt. Selbst wenn das bedeutet, ihr Leben riskieren zu müssen.

Meine Meinung:
Absolut großartig! Azuhr ist das erste Buch, das ich von Bernhard Hennen gelesen habe und es hat mich von der ersten Seite an gepackt. Und in die Richtung, in die sich die Handlung entwickelt hat, wäre ich im Traum nicht gekommen. Schockierend, faszinierend und unglaublich mitreißend zugleich. Was das Buch für mich so besonders macht, ist die Tatsache, dass Mären (Märchen) eine wahrlich ausschlaggebende Rolle spielen und zum Ende hin immer mehr in den Mittelpunkt rücken. So bekommen die Charaktere es nicht nur mit menschlichen Feinden zu tun, sondern müssen sich auch mit Kreaturen aus Geschichten auseinandersetzen - und das nicht nur in Gedanken.
Vom Schreibstil hatte ich mehr so etwas in Richtung Terry Brooks erwartet, das heißt mehr Details bei den Beschreibungen, doch überraschender Weise war dem nicht so (fast, denn wie man drei Seiten mit dem Aussehen und Anziehen einer Rüstung voll bekommt, ist schon ziemlich detailliert). Die verschiedenen Ereignisse geschehen Schlag auf Schlag, während man mehr über die Verhältnisse der unterschiedlichen Länder und Charaktere erfährt, von denen es eine ganze Menge gibt. Alle Figuren sind unglaublich authentisch und stecken voller Überraschungen und ich bin sicher, dass da im zweiten Teil noch ganz schön was auf den Leser zukommt.
Schön fand ich auch die Länge der Kapitel. Es gibt relativ lange, aber auch ziemlich kurze, sodass es einfach ist, zwischendurch einmal eine Pause zu machen.
Nach guten Zweidritteln des Buches hätte ich es am liebsten gegen die Wand geworfen und einfach aufgehört, denn ... lest selbst ;)
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!