Samstag, 27. Mai 2017

[Rezension] Smoke

Titel: Smoke
Autor: Dan Vyleta
Verlag: carl´s books
Seiten: 611
Preis:  16,99 [D] (Broschiert)
              17,50 [A]
ISBN: 978-3-570-58568-9


Inhalt:
Wie sähe eine Welt aus, in der jede Sünde, jeder dunkle Gedanke sichtbar wäre? Smoke entführt den Leser in ein England vor hundert Jahren, in dem jede Verfehlung mit Rauch bestraft wird, der dem Körper entweicht. Auch Thomas und Charlie, Schüler eines Elite-Internats, werden immer wieder durch Rauch-Attacken gebrandmarkt, wenn sie den strengen Schulregeln nicht genügen. Doch dann finden sie – fast zufällig – heraus, dass die Gesetze des Rauchs längst nicht für alle gelten. Wieso gibt es böse Menschen, die nicht von Ruß befleckt sind? Und welche Rolle spielt der Rauch bei den sozialen und politischen Umbrüchen ihrer Zeit? Auf der Suche nach der Wahrheit begeben sich die Freunde auf eine dramatische Reise voller riskanter Abenteuer und düsterer Intrigen und rufen damit schon bald mächtige Feinde auf den Plan ...

Protagonisten:
Thomas ist einer der Hauptfiguren und für mich schwer einschätzbar. Er ist durch seine Vergangenheit, vor allem durch die Taten seines Vater und die darauffolgenden Vorhersagen ihn betreffend, geprägt. Diese Last trägt er das ganze Buch über mit sich herum, wird von Befürchtungen, Ängsten und Selbstzweifeln gequält und glaubt fast bis zum Ende an das "böse" Erbe, das er in sich tragen soll. Teilweise bricht diese Seite aus ihm heraus, entlädt sich in Wutausbrüchen und Gewalt.

Charlie ist im Grunde sein komplettes Gegenteil. Mit seiner ruhigen, sanften und vernünftigen Art versucht er auf Thomas einzugehen, hört ihm zu und hält zu ihm, egal was passiert. Er ist aus einer einflussreichen Familie und besucht genau wie Thomas eine Elite-Schule in Oxford. Dort werden sie getrimmt, "rein" zu sein, nicht zu rauchen, sündenfrei zu werden. Charlie raucht kaum, im Gegensatz zu Thomas, dessen unterschwellige Wut ihn öfters eine Grenze überschreiten lässt.

Livia Naylor ist die Tochter von Lady Catherine Naylor, einer angesehenen Aristokratin und mir anfangs sehr unsympathisch. Sie verhält sich Thomas und Charlie gegenüber kalt und abweisend, verbietet sich zwanghaft jede noch so winzige Sünde und scheint auch zu ihrer Mutter kein gutes Verhältnis zu haben. Im Laufe der Geschichte verändert sie sich, weil sie keine andere Wahl hat. Sie lernt dazu, entwickelt Gefühle für Charlie und verworrener Weise auch für Thomas, was zwischen den dreien aber kaum Gespräch findet.    

Lady Catherine Naylor ist eine Adlige wie aus dem Bilderbuch. Zumindest was das Aussehen und ihre Art an der Oberfläche betrifft. Sie ist hochgewachsen, schön, höflich und raucht nie, doch lernt man sie besser kennen, so erkennt man, dass auch sie eine Bürde mit sich trägt. Eine Bürde, die sie befeuert, die Welt zu verändern, die Menschen zu verändern. Skrupellos und doch mit Eleganz geht sie ihrem Traum nach und lässt sich von niemanden abhalten. Ihr Charakter hat mich fasziniert und nachdenklich werden lassen, denn hauptsächlich von ihr erfährt man sehr viel über den Rauch, seine Bedeutung und sein Wirken.

Meine Meinung:
Dieses Buch zu bewerten ist keine leichte Aufgabe. Es konnte mich durchaus in seinen Bann ziehen, fesseln und ich war die gesamte Zeit über fasziniert von der Idee des Rauches als Zeichen von Sünde. Unbedingt wollte ich wissen, was es damit auf sich hat, was dahinter steckt und wie sich alles am Ende auflöst, doch andererseits war es schwierig, sich in die Geschichte einzulesen, zu verstehen, um wen und was es geht, die Vielzahl an Personen zu unterscheiden, ihnen einen Platz in der Handlung zuzuweisen und auch ihre Bedeutung zu erfassen.
Grund daran ist zum Teil Dan Vyletas Schreibstil. Er schreibt mit einer umfassenden Ausführlichkeit, dass es manchmal zu viel wird, nutzt lange Vergleiche, Metaphern und fast schon philosophische Beschreibungen. Interpretationen über Sünde, die Manifestation des Rauches und das Verhalten der Menschen gibt es zu genüge. Im Endeffekt bin ich mir nicht so sicher, alles richtig verstanden zu haben und auch der Gedanke an eine so schmutzige Welt, das Leben darin, ist für mich nicht wirklich greifbar.
Trotzdem schafft Vyleta es durch diesen Stil durchgehend eine Atmosphäre von Düsternis, Geheimnissen und unterdrückten Gefühlen zu schaffen, die mich sehr einnehmen konnte.
Dann ist da noch die Sache mit den wechselnden Perspektiven. Mal liest man die Geschichte aus der Ich-Perspektive einer Person und muss darauf achten, aus wessen Sicht erzählt wird, dann gibt es Kapitel, in denen in der dritten Person berichtet wird und manchmal hat man das Gefühl, alles zu überblicken und doch nichts zu erfahren. Wichtig ist meiner Ansicht nach, dass man sich für dieses Buch viel Zeit nehmen sollte. Manche Sätze lieber zweimal liest und die Gedanken dahinter erfasst. So kommt man besser und tiefer in die Geschichte hinein.
Ich hatte bis zum Ende des Buches keine Ahnung, worauf es hinauslaufen würde, da Informationen dem Leser nur häppchenweise dargelegt werden und der große Zusammenhang bis zum Schluss aufgehoben wurde. Doch selbst dann musste ich mich anstrengen, es zu verstehen.
Alles in allem ist das Buch kein Buch für Zwischendurch und teilweise erfordert es wirklich Kraft, weiterzulesen, doch wenn man sich auf die Geschichte und den Stil einlässt, lässt es einen nicht mehr los.
         

Sonntag, 21. Mai 2017

[Info] Books n the Run - TAKE / READ / RETURN

Hey, ihr Lieben,

heute gibt es mal einen Beitrag zu einer Initiative, die Samantha ins Leben gerufen hat. Sie nennt sich "Books on the Run". Es geht darum, den Öffentlichen Personennahverkehr in eine Art "Bibliothek" für alle umzufunktionieren und so seine Liebe zu Büchern mit anderen zu teilen. In der New Yorker Subway sowie  der Londoner Underground existiert diese Initiative bereits und scheint gut zu funktionieren.

Findet man ein Buch mit folgendem Sticker in U-Bahn, S-Bahn oder Bus, kann man es mitnehmen, lesen und danach wieder im öffentlichen Nahverkehr aussetzen.
Wer eigene Bücher verteilen möchte, bekommt von Samantha die Books on the Run - Sticker per Post zugesandt und darf als sogenannte Book Fairy / Ninja loslegen :)
Das Starterkit enthält zwei Sticker, zwei Visitenkarten, die man in das Buch steckt sowie eine kurze Anleitung. 

 
 
Für weitere Infos und verlinke ich euch Samanthas Website sowie weitere ihrer Social Media Seiten.
 
 
 
Was haltet ihr von der Initiative?


Samstag, 13. Mai 2017

[Rezension] Die Katzen von Montmartre

Titel: Die Katzen von Montmartre
Autor: Tessa Korber
Verlag: btb
Seiten: 252
Preis:    9,99 [D] (Taschenbuch)
              10,30 [A]
ISBN:
978-3-422-71444-5

Inhalt:
Sie liegen auf den Steinen des Friedhofs, streunen durch die Straßen von Paris und sonnen sich auf den Treppenstufen, die zu Sacré-Coeur hinaufführen. Die Katzen von Montmartre sind überall und erschnuppern oder erfühlen mit ihren Schnurrhaaren so einiges, was den menschlichen Bewohnern der Stadt nur zu leicht entgeht. Als die Leiche eines jungen Mädchens auf dem Friedhof von Montmartre gefunden wird und zudem noch die Katze Grisette, der Schwarm aller Kater, von einem auf den anderen Tag verschwunden ist, beginnen die Katzen auf eigene Pfote zu ermitteln. Hat der Mord etwas mit dem plötzlichen Verschwinden von Grisette zu tun? Und wie tief müssen die Katzen in die Geschichte des Montmartre hinabsteigen, um dieses Geheimnis zu lüften?

Meine Meinung:
Einen Krimi zu lesen, bei dem Katzen in die Rolle der Ermittler schlüpfen und einen beziehungsweise zwei Verbrechen aufklären, war eine interessante und gleichzeitig amüsante Erfahrung für einen Katzenliebhaber wie mich, denn mehr als einmal konnte ich Parallelen zu meinem eigenen Kater ziehen.
Zu Beginn des Buches lernt man die vierfüßigen Charaktere der Geschichte kennen. Bonnard, den Friedhofskater mit dem sonnigen Gemüt, der sich gerne die Ängste und Sorgen der Friedhofsbesucher erzählen lässt. Suzanne, die sich um die melancholische Madame Valladon sorgt. Dégas, den düsteren, alten Künstlerkater, der heimlich die Katzendame Grisette anhimmelt, die sich am liebsten von einem Künstler malen lassen würde. Matisse, den jungen Kater, der sich neugierig herumtreibt und so auf den schwarzen Straßenjungen Navid trifft. Zu guter Letzt wären da noch Pablo und Miró, die frechen Söhne von Suzanne, die während ihrer Spiele auf die Leiche des jungen Mädchens stoßen.
Alle diese Katzen sind mir auf ihre besondere Weise ans Herz gewachsen, da man durch den ständigen Perspektivwechsel jede von ihnen persönlich kennenlernen konnte. Auch wenn es sehr viele Charaktere gibt, da natürlich auch einige Menschen eine Rolle spielen, fiel es mir relativ leicht, den Überblick zu bewahren. 
Das Setting, also das Künstlerviertel Montmartre mit den gepflasterten Straßen, den Straßenmusikern und -malern, Touristen und kleinen Cafés aus Katzensicht beschrieben, ist etwas ganz besonderes, denn der Leser wird nicht nur in entlegene Ecken geführt, sondern bekommt einen vielfältigen Eindruck der unglaublich scharfen Sinne der Samtpfoten.
Die Handlung ist, verbunden mit dem lebendigen, detailreichen Schreibstil, ziemlich ansprechend. Durch die wechselnden Perspektiven wird der Leser von einer Szene in die nächste gelotst, ohne dabei den roten Faden aus den Augen zu verlieren und die ganze Zeit über habe ich gegrübelt, welchen Zusammenhang es zwischen dem Mord und Grisettes Verschwinden gibt. Die Methoden, mit denen die Katzen sich die Menschen des Montmartre zu eigen machen, haben mich oft zum Schmunzeln gebracht, aber mir auch gezeigt, wie viel die Tiere tatsächlich von der menschlichen Psyche verstehen. Die Auflösung am Schluss kam dann ziemlich überraschend und es wird noch einmal spannend. 
Für mich ist dieses Buch der Beleg, dass ein Krimi auch ohne blutige Szenen und Psychoterror durchaus spannend sein kann, kombiniert mit Pariser Flair, Humor und liebenswerten Charakteren. 

    

Samstag, 6. Mai 2017

[Rezension] Der schwarze Thron - Die Schwestern

Titel: Der schwarze Thron - Die Schwestern
Autor: Kendra Blake
Verlag: Penhaligon Verlag
Seiten: 444
Preis:  14,99 [D] (Broschiert)
              15,50 [A]
ISBN:
978-3-7645-3144-7

Vielen Dank an den Verlag für dieses tolle Rezensionsexemplar!

Inhalt:
Sie sind Schwestern. Sie sind Drillinge, die Töchter der Königin. Jede von ihnen hat das Recht auf den Thron des Inselreichs Fennbirn, aber nur eine wird ihn besteigen können. Mirabella, Katharine und Arsinoe wurden mit verschiedenen magischen Talenten geboren — doch nur, wer diese auch beherrscht, kann die anderen Schwestern besiegen und die Herrschaft antreten. Vorher aber müssen sie ein grausames Ritual bestehen. Es ist ein Kampf um Leben und Tod — er beginnt in der Nacht ihres sechzehnten Geburtstages …

 
DREI KÖNIGINNEN,
DUNKEL, UNSCHULDIG, KLEIN
EINEM SCHOSS ENTSPRUNGEN,
KÖNNEN NIEMALS
FREUNDINNEN SEIN.
 
DREI DUNKLE SCHWESTERN,
JEDE SO SCHÖN,
ZWEI WERDEN VERSCHLUNGEN,
NUR EINE GEKRÖNT.

Protagonisten:
Mirabella, Katherine und Arsinoe sind die Hauptcharaktere des Buches und sehr verschieden nicht nur im Hinblick auf ihre magischen Talente. Bis zu ihrem sechsten Lebensjahr wuchsen die Schwestern gemeinsam auf, wurden dann jedoch getrennt und in verschiedenen Familien untergebracht, deren Aufgabe es ist, den Mädchen die Beherrschung ihrer Magie zu lehren, sie auszubilden und auf das sogenannte Jahr des Aufstiegs vorzubereiten. 
So gelangt Mirabella zu den Elementwandlern, Katherine zu den Giftmischern und Arsinoe zu den Naturbegabten. Ab ihrem sechzehnten Geburtstag haben sie ein Jahr Zeit, ihre Schwestern zu töten, denn nur eine von ihnen kann auf dem Thron sitzen. 
Während Mirabella als die Stärkste der Schwestern dargestellt wird, scheinen Katherine und Arsinoe in Bezug auf ihre Talente ziemlich schwach, doch im Laufe der Geschichte wurde mir bewusst, dass sie beide einen starken Charakter haben. 

Meine Meinung:
Ich liebe ja Bücher, in denen Magie, Königinnen, Intrigen und Verrat die Hauptrolle spielen. Deswegen war mir sofort klar, dass ich dieses Buch lesen musste und hatte wegen des spannenden Klappentextes ziemlich hohe Ansprüche an die Geschichte. Schon das Cover ist unheimlich schön und vereint alle Symbole, die man in der Geschichte kennenlernt. 
Kendra Blake hat mich nicht enttäuscht, auch wenn ich die ersten fünfzig Seiten erst einmal mit den ganzen Namen klarkommen musste, die rasant ins Spiel gebracht wurden, sodass man leicht den Überblick verlieren kann. Dazu kamen die pro Kapitel wechselnden Sichten zwischen den drei Schwestern sowie verschiedenen Mitgliedern der Familien, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, wie beispielsweise Natalia Arron, das Oberhaupt der Giftmischer, die ebenfalls einen starken Charakter gepaart mit einer kühlen, beherrschen Ausstrahlung besitzt und mit zu meinen Lieblingscharakteren gehört. Gut gefallen an den verschiedenen Sichtweisen hat mir, dass man so einen umfassenden Einblick in die Gefühle und Gedanken sehr vieler Personen bekommt, doch da im ersten Drittel alle Gaben, Aufgaben, Eigenschaften sowie Eigenarten geklärt werden, leidet die Spannung. 
Aber ab der Hälfte nimmt sie dann doch zu und verleiht der Geschichte neuen Schwung, sodass man gleich motiviert ist, weiterzulesen und das Ende macht die fehlende Spannung vom Beginn mehr als quitt. Ich habe die letzten Kapitel förmlich verschlungen und konnte kaum glauben, was plötzlich alles passiert.
Der leichte Schreibstil machte es mir noch einfacher, so durch die Seiten zu fliegen und die aufkommenden düstere Atmosphäre rundet das Ganze  schön ab. 
Wegen des wirklich fiesen Schlusses, freue ich mich umso mehr auf den zweiten Teil der Reihe und kann sie euch nur empfehlen. Natürlich spielt  die Liebe wieder eine Rolle, wenn auch eher hintergründig.           

(4/5 Sternen)