Dienstag, 22. Mai 2018

[Rezension] Die Shannara Chroniken - Die Erben von Shannara 3 - Elfenkönigin

Titel: Die Shannara Chroniken - Die Erben von Shannara 3 - Elfenkönigin
Autor: Terry Brooks 
Verlag: Blanvalet Verlag
Seiten: 559
Preis:    9,99 [D] (Taschenbuch)
               10,30 [A]
ISBN:  978-3-7341-6141-4        


ACHTUNG! SPOILERGEFAHR!

Inhalt:
Die Aufgaben, die der Geist des Druiden Allanon den Nachfahren der Ohmsfords übertragen hat, erweisen sich als nahezu unerfüllbar. Walker Boh verliert auf der Suche nach dem schwarzen Elfenstein fast sein Leben – der Elementgeist Quickening kann ihn gerade noch rechtzeitig retten. Gemeinsam ziehen sie in das Reich der Zwerge, um das Juwel zu bergen. Währenddessen hat Wren Ohmsford endlich die verschollenen Elfen auf einer einsamen Insel entdeckt. Doch deren neue Heimat ist in großer Gefahr, ein grausamer Dämon will die Elfenkönigin und ihr Volk für immer vernichten ...  

Protagonisten:
Wren, die von Allanons Geist beauftragt wurde, die Elfen zu finden und in die Vier Lande zurückzubringen, ist eine zähe junge Frau, die weiß, wie man überlebt. Sie ist furchtlos, mutig und entschlossen, ihren Auftrag auszuführen, doch nicht ohne dabei etwas über ihre Familie und ihre Herkunft herauszufinden. Im Laufe der Geschichte fängt sie an zu zweifeln, sie weiß nicht mehr, wer sie wirklich ist, denn so viel wurde ihr verschwiegen. Doch sie lässt sich trotz vieler furchtbarer Verluste nicht beirren, auch wenn diese Reise ihr mehr nimmt, als nur Blut, Schweiß und Tränen.

Ellenroh Elessedil ist die Königin der Elfen von Arborlon. Mit ihren leidenschaftlichen blauen Augen, dem gütigen Lächeln und einer beeindruckenden Ruhe, die alle Ängste und Zweifel vertreiben zu können schien, herrscht sie über das Elfenvolk. Ihr Selbstvertrauen und ihre Sicherheit, die Last ihrer Vergangenheit und ihre Entschlossenheit, die Elfen - ihr Volk -  zu retten, haben sie von der ersten Seite an zu meiner Lieblingsfigur gemacht.     

Meine Meinung:
Ich weiß nicht, wie ich jetzt anfangen soll ... Dieses Buch hat mich gefühlsmäßig auf ein völlig neues Level gebracht. Ich kenne Terry Brooks großartigen Schreibstil inzwischen zu genüge und bin immer wieder unglaublich fasziniert von der Art wie er Beschreibungen voller Details in so mitreißender Weise darstellen kann. Man hat das Gefühl als würden die Landschaften leben, atmen und denken, die Magie ein vollkommen eigenes Wesen sein - so komplex und unfassbar, dass es einem unmöglich wird, alles zu begreifen.
Jeder Charakter steckt voller Eigenheiten, Zweifeln, Hoffnungen, sodass sie einem nur ans Herz wachsen können, so dunkel ihre wahren Beweggründe auch manchmal sein mögen. Wren zum Bespiel ist nicht nur eine Fahrende, die durch die Wälder streift. In ihr verbergen sich Talente und Fragen, die sie selbst gar nicht erahnt und dem Leser Stück für Stück näher gebracht werden. 
Ich hätte nie zu träumen gewagt, dass es möglich wäre, bei diesem Buch zu weinen, denn so faszinierend Terry Brooks auch schreiben mag, seine Formulierungen sind trocken und auf den Punkt gebracht. Und trotzdem hat er es geschafft. Vorneweg muss gesagt sein, dass ich unglücklicherweise Pech habe mit Figuren, die ich mag, denn in den meisten Fällen sterben sie. Dieses Mal war es wieder so und ich verstehe bis jetzt nicht beziehungsweise will nicht verstehen, warum das notwendig gewesen sein soll. Ellenroh Elessedil sterben zu sehen, hat mich beinahe dazu gebracht, das Buch einfach wegzuwerfen und nicht mehr weiterzulesen. Es waren mindestens fünf Minuten Verzweiflung, Wut und einige Taschentücher von Nöten, bis ich mich aufraffen konnte, die nächste Seite umzublättern. Selbst jetzt beim Schreiben dieser Rezension tut es noch weh. Ich habe noch nie einem Charakter so hinterhergetrauert wie dieser Elfenkönigin. Vielen herzlichen Dank auch. 
Trotzdem ist dieser dritte Teil der "Erben von Shannara" mein absoluter Favorit. Zwischendurch gab es einige Kapitel auch um Walker Boh, Par und Coll, sodass sie nicht vollkommen in Vergessenheit geraten. 
Besonders spannend fand ich zudem die Geschichte um die Magie der Elfen und den schwerwiegenden Fehlern, die sie in der Vergangenheit machten. Ein Volk, das selbst ins Exil geflohen ist, gefangen durch seine eigenen Missetaten auf einer alles verschlingenden Insel.    
Spannend von vorne bis hinten ist dieses Buch einfach großartig und Terry Brooks mein persönlicher Meister des High-Fantasy.




Mittwoch, 16. Mai 2018

[Rezension] Prinzessin der Elfen 1 - Bedrohliche Liebe

Titel: Prinzessin der Elfen 1 - Bedrohliche Liebe
Autor: Nicole Alfa
Verlag: Carlsen Impress
Seiten: 419
Preis:   3,99 [D] (E-Book)
               3,99 [A]
ISBN: 978-3-646-60422-1

Inhalt:
Eben noch wurde die 16-jährige Lucy in ihrem Zuhause von Unbekannten angegriffen, als sie sich im nächsten Moment auf einer Wiese in einer fremden Welt wiederfindet. Ein Portal hat sie in ihre eigentliche Heimat, das Reich der Elfen, gebracht. Lucy will das alles nicht glauben, immerhin ist sie ein ganz normales Mädchen und soll jetzt plötzlich die verloren geglaubte Tochter des Elfenkönigs sein? Ohne mich, denkt sie. Doch die Frage nach dem Grund für den Angriff und die Sorge um ihre Familie bringen Lucy schließlich dazu, ihr Schicksal – zumindest vorübergehend – anzunehmen. Vielleicht liegt es aber auch an den eisblauen Augen von Daan, der stets überall da auftaucht, wo Lucy ist. Auch wenn in seinem Blick noch etwas liegt, das sie einfach nicht deuten kann…

Protagonisten:
Lucyana (Lucy) ist eine sehr herzliche und offene Persönlichkeit. Es wird schnell offensichtlich, dass sie sich bei ihrem Onkel und ihrer Tante, bei denen sie aufgewachsen ist, eingesperrt fühlt. Sie möchte einfach nur leben wie ein ganz normales Mädchen. Verständlicherweise hat sich deswegen eine Menge Wut, Frust und Unverständnis angesammelt, die sie an ihrer Tante und ihrem Onkel ablässt.
Im Laufe der Geschichte lernt man sie immer besser kennen und trotz ihrer vielen Ängste, kämpft sie sich durch ihr nun vollkommen neues Leben. Sie war mir durchaus sympathisch, vor allem wegen ihrer Unvoreingenommenheit des "Rassenkonflikts" zwischen Elfen, Kobolden und Elben.

Daan ist wieder so eine spezielle Sorte Kerl. Der Kobold mit den eisblauen Augen ist in einem Augenblick hilfsbereit, fürsorglich und sanft, bevor er im nächsten Moment eine Mauer aufbaut, sich von Lucy distanziert und verschlossener den je wirkt. Ich bin solchen Charakteren gegenüber immer etwas skeptisch, denn sie haben meistens etwas zu verbergen und nach dem Ende bin ich mir da sogar mehr als sicher.

Meine Meinung:
Der Anfang des Buches konnte mich vollkommen mitreißen. Spannend und mit einer guten Portion Action wird man in Lucys Leben und ihre Situation geführt. Ich weiß nicht genau, was ich erwartet habe, aber eine Akademiegeschichte auf keinen Fall. Um so überraschter war ich, als sie plötzlich im Reich der Elfen - Phönix genannt - in die Akademie der vereinten Völker gesteckt wird. Ich bin seit "Mythos Academy" bekennender Fan von Akademiegeschichten, weswegen ich diese Wendung überhaupt nicht schlimm fand. Im Gegenteil.
Natürlich wurde hier das Tempo etwas gebremst. Lucy muss sich mit ihrer neuen Situation abfinden, ihre Kräfte und sich selbst kennenlernen und sich auch gegen Hass und Abwertung behaupten. Sie wird mit einer völlig neuen Welt konfrontiert, in die sie nicht hineinpasst, obwohl sie als Teil dieser geboren wurde.
In Bezug auf ihre Tante und ihren Onkel, die sie auf der Erde zurücklassen musste, fehlte mir etwas. Natürlich ist Lucys Wut auf sie gerechtfertigt, doch ich hatte das Gefühl, dass sie im Lauf der Handlung einfach in Vergessenheit geraten sind. Dabei haben sie Lucy jahrelang ein Zuhause gegeben und sich um sie gekümmert.
Faszinierend und interessant fand ich die Darstellung der verschiedenen Völker auf Phönix. Elben, Elfen und Kobolde, die sich untereinander nicht sonderlich gut verstehen, ein Krieg, dessen Friedensverhandlungen sich als langwierig gestalten und auch Abneigungen innerhalb der Völker.
Ich hätte ja unglaublich gerne Lucys Eltern kennengelernt und ihre Version der Geschichte um Lucys Verschwinden aus Phönix, doch leider schienen sie als Oberhäupter der Elfen keine Zeit für ihre wiedergefundene Tochter zu haben. Vielleicht habe ich ja in Band zwei Glück.
Die Liebesgeschichte zwischen Lucy und Daan ist wieder so typisch für Jugendfantasybücher. Warum muss man sich bei einem Blick in die Augen eines Jungen gleich so hingezogen fühlen? Aber es gehört nun einmal dazu und ist so eine Hass-Liebe bei mir.
Am Schreibstil gibt es im Grunde nichts auszusetzen. Nicole Alfa schreibt sehr jugendlich, bildlich, weswegen manche Dinge, wie die Beschreibungen der einzelnen Völker, sich wiederholen, und voller Gefühl. Es verleiht der Geschichte noch ein bisschen mehr Magie und lässt einen die Welt der Elfen richtig spüren.
Ich bin unglaublich gespannt auf Teil zwei, denn das Ende der Geschichte lässt auf einige spannende Dinge schließen.